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Letzte Änderung: 22:12:48 05.08.2010



Rock'n'Roll will never die!

Rock'n'Roll will never die - aber diejenigen, die ihn unters Volk bringen. Helfen Sie aus und übernehmen Sie bedrohte Läden mit einem nicht nur steuerlich günstigen Darlehen. 03.08.2010

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mandantinnen und Mandanten,

mein Lieblingsschallplattenhändler hat zugemacht. Einfach so, ohne mich zu fragen. Nun war er ja auch nicht Mandant, sondern mußte einfach nur wegen einer nachhaltigen Umstrukturierung der Käufergewohnheiten (iTunes und so) mit immer weniger Ladenumsatz auskommen. Verflixt - jetzt kann man in Paderborn nicht mehr in ein normales, inhaberbetriebenes Ladengeschäft mit Wühltheke gehen, wo sich man beim Kauf von "Pictures At An Exhibition" ein anerkennendes Kopfnicken des Ladeninhabers einfing. Der wußte auch, an der Hammond B 3 konnte niemand dem frühen Keith Emerson das Wasser reichen. Wissen das die Aushilfen bei "Ich-bin-doch-nicht-blöd"?

Es ist zum Heulen. Schon wieder freie Ladenfläche geschaffen für Handyverkauf oder Toilettenbürsten aus Konkursmassen zu einem Euro. Was ist, wenn Ihnen mal die Klobürste bricht, aber gerade keine passenden Insolvenzen waren? Na klar, Sie kriegen sie online, und es gibt auch www.toilettenbuerste.de (lesenswert!). Doch wenn sich unsere Welt so verändert, gibt es kein Einkaufen mehr, sondern nur noch "Besorgen". Dieses lustvolle Herumdebattieren mit dem Weinexperten: zarte Himbeernote, eine Spur Cassis vielleicht nimmt man da wahr, aber auch bißchen Teermaschine im Abgang. Alles nicht mehr, wenn nur noch Ketten oder Internet. Der sparsame deutsche Konsument wollte es so.
Droht auch Ihnen demnächst ein CD-Laden-Aus oder eine Schließung der Lieblingsboutique?

Steuerlicher Vorschlag: werden Sie aktiv, kaufen Sie das Geschäft im ganzen. Ein Geschäftserwerb im ganzen ist mehrwertsteuerfrei. "Im ganzen" heißt, Sie müssen die wesentlichen Grundlagen übernehmen. Also nicht nur Ware, auch Einrichtungsgegenstände und Kundenstamm. Das Geschäft dürften Sie durchaus von anderswo und auf andere Weise betreiben. Neulich fragte mich eine Unternehmerin, ob sie ihr Bekleidungsgeschäft denn einer Freundin verkaufen könne, die die Abiball-Kleider dann ohne USt zahlen zu müssen verkauft, weil sie innerhalb der Kleinunternehmergrenze von 17.500 Euro bliebe. Nirgendwo verboten - das würde also gehen. Nur aufpassen wegen der Schuldverhältnisse: nicht nur betriebliche Schulden der Vorbesitzerin bei Finanzamt und Krankenkassen, sondern auch die Übernahmepflicht für langjährig beschäftigtes Personal könnte Ihnen zu schaffen machen. Vor Unterschrift also doch nochmal mit Leuten reden, die sich da auskennen. Aber sonst - halbes Jahr versuchen, zwei, drei ernst gemeinte Werbeaktionen durchziehen. Läuft es schlecht, CD-Bestände an gute Freunde verkaufen oder ins Privatvermögen entnehmen. Läuft es gut, hey, dann hätten Sie unserer Stadt tatsächlich ein Stück Lebensqualität gerettet. "Rock'n roll will never die" klebt an der Scheibe des geschlossenen Ladens. Müssen wir aber alle was für tun.

Deckelchen holen für langfristige Schulden

Unsere Bank hatte neulich Brötchen spendiert und erzählt, nie seien Zehnjahresdarlehen so billig gewesen wie momentan, während wir andächtig am kauen waren. Wer also ein Haus oder eine Investition zu finanzieren hätte, sollte schnell zugreifen und die Konditionen jetzt schon festklopfen, auch wenn Darlehensauszahlung erst irgendwann im nächsten Jahr wäre.
Alternativ wird angeregt, nichts festzumachen, sondern sich eine Mütze zu kaufen als Schutz vor kalten Ohren wegen ansteigender Zinsen. Denn "cap" nennen ja die Angeln oder Sachsen diese Begrenzungsversicherung. Man zahlt eine Prämie dafür, die Mehrbelastung erstattet zu kriegen, sollten die variablen Zinssätze mal über beispielsweise drei oder vier Prozent sich hinausentwickeln. Wenn Sie Ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschußrechnung finanzieren, ist diese Prämie im Jahr der Zahlung absetzbar - vorausgesetzt, Sie machen Schulden für den Betrieb. Bilanzierende müssen sich dagegen an die Salamivorschriften halten und die Belastung scheibchenweise über die Darlehenslaufzeit verteilen.

Auf die lange Sicht kann uns nur Bildung noch retten

In diesem Zusammenhang darf ich mit Freude vermelden, daß Frau Dickgreber ihr Examen mit gutem Erfolg bestanden hat und sich nun Steuerfachangestellte nennen darf. Auch eine von unseren Minijob-Aushilfen, ein gewisser Lenni Bastert, wurde letzte Woche in die nachgymnasiale Freiheit entlassen. Wieder zwei, die es schriftlich haben, daß sie nicht blöd sind. Freuen wir uns mit ihnen.

Alles wie immer sorgfältig zusammengestellt, doch für Sie gratis und deshalb ohne jede Gewähr. Bitte fragen Sie im Zweifel, wenn Sie etwas verbindlich wissen möchten.

Ihnen allen schöne Grüße und weiterhin Sonne, auch im Namen von Sybille Baumgart und Dirk Oetelshofen sowie aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Leopoldshöhe, Herrnhut und in Paderborn.


Ihr Volker Bastert



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